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24.07.2010
Die Puppenhaus-Inseln von Finnland
Der Sommer in Skandinavien bietet weiße Nächte - 80 Grad heiße Schwitzkisten und Tage im und am See
Eine fast unberührte Wasserfläche und viel Natur: Die Inseln in Finnland sind fantastisch schön. (Foto: Caroline Strang) Von Caroline Strang
Die Schönheit der kleinen Insel Riutansaari, die im Saimaa-See im Südosten von Finnland liegt, ist schon fast surreal. Das Eiland erhebt sich aus dem glänzenden Wasserspiegel wie ein Puppenhaus in Inselform. Formschön wachsen Nadelbäume an den richtigen Stellen, krallen sich zwischen den Felsen fest, die aussehen, als hätte ein japanischer Landschaftsgärtner mit einem leichten Hang zur Wildnis sie verteilt. Wege aus Holzbohlen oder mit Kies ausgestreut verbinden die Hütten mit dem Bootssteg und dem Haupthaus, das ganz oben trohnt. auf Badenixen Geht man von den Wegen weg, knirscht eine bröselig-harte Art Moos unter den nackten Füßen, wird zu feinem, hellgrünem Staub. Aus dem Kamin der Sauna zieht der Rauch. Es ist eingeheizt, angerichtet, der See wartet auf Badenixen. Sommer in Finnland, mitten im Nirgendwo des riesigen Sees. Die 30 Grad Außentemperatur schrecken die Finnen nicht. Sie gehen trotzdem in die Sauna, mit einem Bier in der Hand. So macht man das hier, ist zu erfahren. Vielleicht gehen sie einfach nicht so lange wie sonst in die 80-Grad-Hitze der traditionell mit einem Holzofen mit Steinen darauf geheizten Schwitzkiste. Aber auch nur vielleicht. Die paar Schritte bis zum See gehen sie schnell, die Gesichter glühen feuerrot. Dann ein kurzes Zögern. Der Sprung. Sie sind hart im Nehmen, die Finnen. Das sieht man auch an den Outdoor-Aktivitäten, die man in der Gegend rund um die 72 000-Einwohner-Stadt Lappeenranta, die nicht weit vom See liegt, machen kann. Abseilen von einer Felswand ist noch harmlos, wenn man das Angebot der Salpasafarit auf der Naulapää-Farm in Luumäki in Anspruch nimmt. Aufregend wird es, wenn die Finnen mit Quads durch den Wald rasen, sprichwörtlich über Stock und Stein. Augen zu und durch scheint die Devise zu sein. Auf die Touristen wird aber Rücksicht genommen. Mit ihnen geht die Fahrt nur langsam durch die schönen Wälder des nordischen Landes. Auch nahrungstechnisch ist Finnland eine Reise wert. Der Fisch, den die Finnen servieren, ist frisch und duftet nach Seewasser, in der Kartoffelsuppe schwimmen Lachsstücke, Lohikeitto nennt man die Suppe auf Finnisch. Eine besondere Spezialität ist Särä, Lamm. Vier Tage lang werden die Lammkeulen gegart, nur mit Salz gewürzt und dann landen sie butterweich auf dem Teller, zusammen mit Kartoffeln. Dazu ein Wodka aus einem eisgehauchten Glas. So sieht für viele Finnen ein gepflegtes Abendessen aus. konzentriert und geübt Nach dem Essen geht es in einen der traditionellen Tanzpavillons wie den Iitiä Dance Pavillon, zum „lavatanssi“-Tanzen. Zu live gespielter finnischer Tanzmusik bewegen sich die Paare mit eingeübter Sicherheit gleitend über den abgetretenen Parkettboden, Foxtrott und ein bisschen Tango sind Programm, ein paar twisten. Die Tänzer sehen extrem konzentriert aus dabei. Gesprochen oder gelacht wird zumindest an diesem Samstagabend kaum. Die Paare, die überwiegend ein wenig älter sind und sich für den Tanzabend in Schale geworfen haben, sind zum Tanzen da. Und zu nichts anderem. Alkohol gibt es nur seitlich an der Bar. Auf der Tanzfläche ist er verboten. Sonst sind die Finnen anscheinend keine Kostverächter, was Alkohol anbelangt. Der rote Drink, der wie Sangria in großen Karaffen in einem der Bootskneipen im Hafen von Lappeenranta, dem Princess-Armada-Ship-Restaurant, serviert wird, nennt sich allerdings Tourist-Wodka-Bowl - und scheint extra für die Touristen gemixt zu sein. Viel zu wenig Wodka, stellen die Einheimischen fest. In den zu Gaststätten umgebauten Booten kann man die Sommernächte genießen, in denen es kaum dunkel wird. Die Sonne geht nicht wirklich unter, in ihrem dunkelsten Moment bleibt die Nacht so hell wie in Deutschland die Abenddämmerung. Richtig Leben kommt in die mittelgroße Stadt, die 220 Kilometer von Helsinki und 215 Kilometer von St. Petersburg entfernt ist, erst abends, tagsüber bleibt es eher ruhig. Ein paar Einkaufszentren locken die Nachbarn aus Russland in die Stadt. Sehenswürdigkeiten sind das Fort, das aus mehreren auf einem Hügel über dem Hafen verteilten Gebäuden besteht, und alte finnische Gebäude im Stadtkern, die als Museen genutzt werden. Wenn die Finnen frei haben, bleiben sie meist nicht in der Stadt. Sie fahren zum See, schippern mit ihren Booten hinaus zu den Inseln, die hier überall aus dem Wasser ragen. Finnland ist nicht nur das Land der tausend Seen. Es ist auch das Land der gefühlt Millionen Inseln. Der Inseln, die so malerisch im glatten Schimmer des Sees liegen, dass sie nicht echt wirken. So lange nicht, bis man das Moos unter den Füßen spürt. INFO · Flug: Zwei Fluglinien fliegen Lappeenranta an. Bei airBaltic gibt es die Flüge ab München zurück ab 159 Euro. RyanAir baut die Verbindung gerade aus. · Unterkunft: In Lappeenranta gibt es mehrere Hotels, Ferienhäuser auf den Inseln kann man ebenfalls mieten (zu finden auf www.gosaimaa.fi, auch auf Deutsch). Im Sommer sind die Zimmer meist günstiger, weil dann keine Messezeit ist. · Aktivitäten: Outdoor-Abenteuer kann man ansehen unter www.salpasafarit.fi. In Englisch gibt es die Seite in Kürze. · Auskünfte: Allgemeine Informationen gibt es unter http://www.gosaimaa.fi, hier wird die Gegend beschrieben, sind Unterkünfte zu finden und mehr, die Seite www.lappeenranta.fi gibt es auch auf Deutsch. · Wissenstest über Finnland: Testen Sie Ihr Wissen unter www.pnp.de/wissen. Von den Veranstaltern der Reise, der Stadt Lappeenranta, goSaimaa und airBaltic, wurde PNP-Volontärin Caroline Strang mit einem Blumenkranz begrüßt. |








