18.04.2009
Tanze Tango mit mir
In Buenos Aires können Touristinnen unvergessliche Tango-Nächte mit einem gemieteten Tanzpartner verbringen
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In den Tango-Clubs von Buenos Aires widmet sich Eduardo Amarillo leidenschaftlich den tänzerischen Bedürfnissen von Touristinnen. Aber auch über den Dächern von Buenos Aires macht der Taxi-Tänzer eine gute Figur. (Foto: Schafmeister)
Von Anne Schafmeister
Man kann ihn mieten. Für drei Stunden. Oder für die ganze Nacht. Innige Umarmungen und vertraute Berührungen inklusive. Seine leidenschaftlichen Dienste beschränken sich jedoch auf die Tanzflächen der Milongas, der Tango-Clubs von Buenos Aires. Er vermietet sein Können, nicht seinen Körper. Eduardo Amarillo ist „Taxi-Tänzer“ - für umgerechnet 18 Euro die Stunde begleitet er Touristinnen durch die Tango-Nacht.
Wie die vielen schwarz-gelben Taxen der Tango-Metropole ist auch der 41-Jährige auf Abruf bereit. „Um 23 Uhr in der Milonga Porteño y Bailarín? Alles klar, ich werde da sein!” Eduardo, der tagsüber als Klempner arbeitet, tauscht zerrissene Jeans gegen Nadelstreifenhose, schlüpft in ein weißes Hemd und bringt seine schwarzen Haare mit einer ordentlichen Portion Pomade in Form. Um kurz nach Elf steht er auf der Tanzfläche. In seinen Armen wird die nächsten vier Stunden nur eine Frau liegen: Pauline Finningan. Die geborene Irin ist vor einigen Tagen aus New York nach Buenos Aires gereist. Zwei Wochen verbringt sie in Argentiniens Tango-Metropole.

„Wenn ich tanze,
dann richtig“

Immer im Uhrzeigersinn drehen die beiden ihre Runden durch die Milonga. Immer wieder vorbei an Tito Rocca. Der 77-Jährige verbringt fast jeden Abend in einer der über 120 Milongas der Tango-Hauptstadt. Tanzt kaum. Beobachtet. Mustert auch die 43-jährige Irin im lilafarbenen Kleid aufmerksam. Seine 45 Jahre Tango-Erfahrung teilt er nicht mit jedem. Schon gar nicht mit einer Anfängerin wie Pauline. „Wenn ich tanze, dann richtig“, sagt er und rümpft die kantige Nase.
Wer als Tourist die Schritte und ungeschriebenen Gesetze der Milonga nicht beherrscht, verbringt selten so viel Zeit auf der Tanzfläche wie Pauline. Ebenso, wer aus dem ästhetischen Raster fällt. Zu klein, zu dick, zu wenig Dekolleté - eine durchtanzte Nacht kann an vielem scheitern. In der von Traditionen und Machokultur geprägten Milonga fordert der Herr die Dame auf. Oder eben nicht. Da helfen einige ihrem Glück in der kurzen Urlaubszeit lieber ein bisschen auf die Sprünge. Für schüchterne Männer, die den intensiven Blickkontakt scheuen, gibt es natürlich das weibliche Pendant zu Eduardo und seinen Kollegen.
Mehr als hundert Taxi-Tänzer gebe es mittlerweile, schätzt der passionierte Tanguero, der mit acht Jahren von seiner Großmutter das Tanzen lernte. Er habe schon früher mit jenen Frauen getanzt, „die nicht unbedingt für die Milonga geschaffen sind”, sagt Eduardo. Aus Mitleid. Nach und nach machte sich Eduardo einen Namen als „der Argentinier, der die ‚Nicht-Auserwählten‘ auffordert“. Und daraus schließlich Geld. Heute hat er eine kleine Agentur mit 15 festen Tänzern, bietet auf seiner Homepage in vier Sprachen Begleitung in der Nacht und Tangounterricht am Tag.

Anfänger
nicht überfordern

„Man braucht viel Geduld und Einfühlungsvermögen“, sagt Eduardo, der den Job des Taxi-Tänzers mit dem einer Krankenschwester vergleicht. Man müsse das eigene Ego herunterschrauben, die Anfänger nicht mit komplizierten Figuren überfordern. „Vor allem ältere Tänzer können sich oft nicht an ein niedrigeres Niveau anpassen“, weiß Pauline aus eigener Erfahrung. Mit ihrem persönlichen Taxi-Tänzer ist das kein Problem. „Er tanzt wundervoll“, schwärmt sie.
Wer nach der Milonga auf eine erfüllte Nacht abseits der Tanzfläche hofft, ist bei Eduardo an der falschen Adresse. „Ein Taxi-Tänzer ist kein Call-Boy“, das stellt er auch auf seiner Homepage unmissverständlich klar. „Leider gibt es aber gerade in unserem Business viele schwarze Schafe“, klagt er. Vor einem Jahr habe er darum eine Petition bei der Regierung von Buenos Aires eingereicht: Eine Lizenz für Taxi-Tänzer soll den Beruf offiziell ins rechte Licht rücken. Denn: „Ein Taxi-Fahrer braucht schließlich auch einen Führerschein.“


INFO
· Anreise: Mit Iberia von Frankfurt über Madrid nach Buenos Aires. Weitere Flüge zum Beispiel auch mit TAM oder Lufthansa. Preise ab zirka 600 Euro.
· Milongas: Porteño y Bailarín, Riobamba 345, geöffnet von 22.30 bis 4 Uhr. Eine stets aktuelle Übersicht bietet die Homepage http://www.buenosairesmilongas.com.
· Taxitänzer: Eduardo Amarillos Agentur findet sich im Internet unter www.tangotaxidancers.com.
· Auskünfte: Weitere Informationen: „Lonely Planet Argentinien“, ISBN: 9783829715508, 24,95 Euro, oder im Internet unter www.bue.gov.ar.

Anne Schafmeister, Stipendiatin bei der PNP, absolvierte einen Teil ihrer journalistischen Ausbildung in Argentinien und lernte dabei auch Taxitänzer Eduardo Amarillo kennen.